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Pacificare - Episode 11: Tńter und Opfer

"Pacificare" - Episode 11: Täter und Opfer

Als sich Serafina langsam aber sicher aus der Menge an Menschen entfernte und zu ihrem Haus spazierte, fühlte sie sich so leer wie nie zuvor. Der König von Tinnos war tot. Sie hatte ihn ermordet, aber woher konnte das jemand wissen? Und warum sprach nur jeder von seinem Tod und nicht von seiner Gräultat, die er zuvor begangen hatte. Er hatte Serafina vergewaltigt und sie ein Stück weit innerlich zerstört. Noch nie hatte sie so große Scham gespürt. Niemandem konnte sie sich anvertrauen, nicht mal ihrer besten Freundin Gabriella, die selbst auf der Suche nach dem Mörder war, um als Belohnung Königin von Tinnos zu werden. Alleine der Gedanke, dass dies wirklich eintreten würde, war lächerlich. Der König von Xenos hatte dies nur gesagt, um Zwietracht zwischen die Bauern zu treiben und das war ihm mehr als gut gelungen. Jeder wollte König oder Königin werden und suchte seither nach dem Mörder. Hatte sie jemand gesehen? Hatte jemand gesehen, wie sie den König von Tinnos ermordet hatte? Aber dann hatte diese Person doch auch gesehen, was er mit ihr gemacht hat. Warum wurde darüber nicht spekuliert oder gesprochen? Weil es einfach niemand wusste. Diese Tat nahm er mit ins Grab und Serafina mit in ihre zerbrochene Seele.

Serafina durchsuchte ihre ganze Hütte nach dem Kleid, das sie getragen hatte, als sie nachts vom König vergewaltigt worden war. Sie hatte es versteckt, weil sie es nicht ertragen konnte, es nochmal anzufassen. Wäre es nicht so auffällig gewesen, hätte sie es sofort verbrannt, aber jetzt war es an der Zeit es für immer verschwinden zu lassen. Wenn man bei der Leiche ein Stück vom Kleid gefunden hatte, fehlte es widerum an ihrem. Das würde man entdecken und so die Täterin leicht überführen können. Doch das Kleid war nicht mehr da. Irgendjemand hatte es sicherlich vor ihr entdeckt und war damit zum König gerannt. Gabriella? Ihre beste Freundin? Hatte sie es etwa gefunden? Würde sie ihre beste Freundin verraten? Gabriella glaubte an Gott und Frieden in der Welt. Ein Mord war für sie wie eine Todsünde. Serafina wusste selbst nicht, was ihr in solch einer Situation wichtiger gewesen wäre. Ihre Freundschaft oder eine solche Sünde? Wer hätte es noch gefunden haben können? Vielleicht Eric? Vielleicht hatte er geahnt, dass sie etwas damit zutun hat und war nochmal zurück gekommen. Immerhin war er ein Obervasall des Königs und wollte mit diesem Fund garantieren, dass er der nächste König von Tinnos wird. Denn normalerweise rückte beim Tod eines Königs der Obervasall nach, der am längsten neben dem König gearbeitet hatte. Und diese Ehre kam wohl Eric zugute. Jetzt wo der König von Xenos allerdings auch Bauern die Chance auf dieses Amt gab, war er vermutlich verunsichert. Doch wenn er so gut auf ihre Tochter achtete und sie seit Wochen versteckte, war er doch kein schlechter Mensch. Aber vielleicht hatte ja auch das eine nichts mit dem anderen zutun. Vielleicht wollte er das Amt, aber auch die Frau. Serafina suchte weiterhin vergebens. Ihr Kleid war weg, also hatte es jemand genommen. Und in dem Moment klopfte es an die Tür ihrer Hütte. Wer das wohl sein konnte? Es war hoher Besuch. Jemand, mit dem Serafina nicht gerechnet hatte oder vielleicht eher doch? Der König von Xenos stand vor ihr. Ihr Herz sank bis zum Boden, denn sie konnte ihre letzten Minuten ihres Lebens fast austicken hören. Er war sicherlich gekommen, um sie abzuführen oder gleich hier zu erstechen. Doch er lächelte mild, es wirkte irgendwie aufgesetzt, was es aber immer tat, wenn er unter Bauern war. Er fand Bauern abstoßend und die Hütten, in denen sie lebten, glanzlos und widerlich. Er war mit Prunk behangen, legte viel Wert auf sein Äußeres und trug farbenprächtige Kleidung, eben nicht wie die Bauern, die alle in grauen Gewändern umherliefen. Er wollte mit ihr reden.

Es konnte ja im Prinzip nur um den König von Tinnos gehen, aber das tat es seltsamerweise nicht. Er wollte über eine Frau sprechen, die man hier in Xenos sehr verehrte, weil sie all dem entsprach, was man von einer Bäuerin erwartete. Sie leistete gute Arbeit, unterwarf sich jedem Mann und gehorchte aufs Wort. Fast wie ein Hund. Gabriella verehrte diese Frau auch, wurde nur hoffentlich nie so hoffnungslos. Helena ging auch zu diesen Betstunden dieser Sekte, die auch Gabriella immer besuchte. Dort beteten sie zusammen zu Gott und sehnten den Frieden für die Bauern herauf. Ihr Glaube war fester als jede Stadtmauer, jedoch konnte Serafina damit überhaupt nichts anfangen. Sie verstand nichts von Religion oder Glaube. In ihr wuchs mehr und mehr die Überzeugung heran, dass nur eine Waffe für Frieden sorgen konnte. Auch hier in Xenos. Aber endlich kam der König von Xennos auf das zu sprechen, was er von ihr wollte, denn Helena war tot. Sie war tot aufgefunden worden, man hatte sie erwürgt, besser gesagt erstickt mit einem Hanfseil. Niemand in Xenos hatte etwas gegen sie oder würde ihr auch nur ein Haar krümmen. Sie war sehr beliebt und geistreich. Für eine Bäuerin hatte sie fast schon einen hohen Stand in der Stadt. Wer hatte Helena dies angetan? Der König bat Serafina mitzukommen und sich dies einmal anzusehen. Auf dem Weg dorthin stellte er ihr immer unangenehmere Fragen, denn auch er hatte Wind davon bekommen, dass es heimlich religiöse Treffen gab, die in Xenos verboten waren. Er wollte mehr darüber wissen, aber Serafina gab ihm sicherlich keine Informationen darüber, alleine schon, weil sie Gabriella damit gefährdete. Er bohrte nicht nach und zeigte ihr lieber die Leiche von Helena. Sie sah so unschuldig aus - und tot. Sie hatte in sich selbst Frieden ausgestrahlt und gab damit den Bauern immer einen Funken Hoffnung auf bessere Zeiten. Auch wenn Serafina die geheimen Treffen dieser Sekte nicht begrüßte, hatte Helena viel für Xenos getan. Doch um die Leiche von Helena ging es dem König gar nicht, der sich angewidert die Nase zuhielt und nach Flecken auf seiner Kleidung suchte. Es ging ihm um den Mörder. Das schien momentan wohl ein großes Thema zu sein in Xenos, dass man den Mörder einer Leiche sucht und finden will. Es wirkte auch nicht so, als verdächtige er Serafina wegen des anderen Königs. Scheinbar hatten sie gar keine Spur von dem Kleid und womöglich wussten sie auch nicht, wer der Mörder war. Dorfgespräche waren das, simple Gerüchte. Dem König ging es allerdings um etwas ganz anderes. Man habe handfeste Beweise dafür, dass es solche Betstunden gab und auch wenn er nicht wisse, wer alles daran teilnimmt, muss die Mörderin eine Frau aus dieser Sekte gewesen sein. Helena war nach einer geheimen Betstunde ermordet worden. Man habe ihren Fundort untersucht, dort haben sich viele Schriften über Religion befunden. Niemand wusste von diesen Treffen, außer die Teilnehmernnen selbst. Er bat Serafina darum, sich dieser Sache anzunehmen und die Mörderin von Helena zu finden. Ihr war schleierhaft, warum es ihm überhaupt so wichtig war, den Tod einer Bäuerin aufzuklären, aber das erklärte er ihr dann selbst. Man habe bisher keine Spur vom Mörder des Königs und auch hier tappe man im Dunkeln. Wenn dies so weiter gehe, werde es weitere Morde geben, weil man denkt, sie werden sowieso nicht aufgedeckt. Irgendwann werden Bauern einen Aufstand proben und es sogar bei einem Vasall oder bei einem König versuchen. Serafina versprach ihm, zu helfen, erinnerte ihn jedoch auch daran, dass nicht nur Bauern fähig sind zu morden, sondern auch Männer aus höheren Rängen. Dies würden laut ihm allerdings nie eine solche Betstunde besuchen. Die gute Nachricht zuerst. Niemand wusste, dass sie den König ermordet hatte, zumindest noch nicht. Die schlechte Nachricht: Helena war getötet worden und auch Gabriella kam hierbei als Mörderin in Frage. Hatte sie es etwa getan? Hatten sie beide etwa einen Menschen aus ihren Reihen getötet und trauten sich nicht es dem anderen zu sagen?

Doch dann fiel Serafina etwas ins Auge, dass der König übersehen hatte. Nachdem er lange gegangen war, schaute sie sich die Leiche nochmal genauer an und auf der Innenfläche ihrer rechten Hand war ein "G" eingebrannt. Es musste fürchterlich weh getan haben, so etwas in die Hand einzuschweißen. Was sollte den ein "G" bedeuten? Sofort dachte sie an Gabriella, verwarf diesen idiotischen Gedanken allerdings direkt wieder. Doch trotzdem schien es so, als hätte es irgendwann ein Wort ergeben sollen, denn ein "a" war auch zu erkennen. Den Gedanken an Gabriella verwarf sie erneut. Warum sollten sich die Frauen den Namen ihrer besten Freundin einbrennen? Sie war eine der neusten Mitglieder und hatte keinen besonderen Stellenwert. Oder etwa doch? War sie zu mehr berufen, als dem, was sie ihr zutraute? Ein großes "G" und ein kleines "a" war alles, was Serafina erkennen konnte. Die Antwort darauf lag allerdings nicht in Xenos oder in Tinnos, sondern kam etwa einen 3 Tage Marsch entfernt auf sie zu.

Fortsetzung Folgt!!!

Euer Seralgo Refenoir
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Geschrieben von SeralgoRefenoir [Profil] am 06.07.2018

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Tags (Schlagw├Ârter):

Sekte, Vasalle, K├Ânig, Gabriella, Serafina, Mittelalter

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